#petrolribbon – Diagnose: Ein Tsunami der Gefühle. Der PAP kann dich davor schützen!

Wie alles begann…

Als ich mit Lina in der sechsten Woche schwanger war, wurde bei mir ein auffälliger Krebsabstrich diagnostiziert. Diagnose: PAP IIID wurde mir verkündet, was soviel heißt, wie vermehrte Frauenarztkontrollen und im Abstand von 3 Monaten erneute Krebsabstriche zu machen … mehr nicht. Dies war ohnehin mit den Schwangerschaftsuntersuchungen abgedeckt und meine Gynäkologin meinte ebenfalls, es könne auch nur an der hormonellen Veränderung der Schwangerschaft liegen, dass der PAP auffällig ausgeschlagen hatte. Ich dachte mir nichts weiter dabei und die restliche Schwangerschaft sank der Wert wieder auf PAP II. Alles gut soweit. Die Schwangerschaft verlief ohne größere Komplikationen und Lina wurde 3 Tage zu früh kerngesund auf natürlichem Wege geboren.  Ein gutes Jahr nach der Geburt wurden erneut die Zellen kontrolliert. Drei Wochen später dann der Anruf…

Pap I: "normale gesunde Zellen"

Pap II: leichte Zellveränderungen, aber kein Verdacht auf Krebsvorstufen oder Krebs.

Pap III: unklarer Befund, dessen Ursache ohne weitere Untersuchungen nicht festgestellt werden kann. 

Pap IIID: es liegen Zellveränderungen vor, sogenannte Dysplasien, aber kein Krebs.

Pap IV: Krebsvorstufen, Krebs im Frühstadium oder Krebs ist möglich. Weitere Untersuchungen sind nötig.

Pap V: Zellen eines bösartigen Tumors werden nachgewiesen und eine Krebsdiagnose ist sehr wahrscheinlich.

Mein Bauchgefühl ahnte schon beim Telefonat, dass dieses Mal etwas nicht stimmte. Dieses Mal war es anders. Ein anderes Gefühl, andere Gedanken. Ich wurde – wie letztes Mal – schnellstmöglichst und ohne irgendeine Begründung in die Praxis meiner Frauenärztin gebeten. Ich legte mit 1000 Fragezeichen im Kopf das Handy zur Seite. Was sollte ich nun von den letzten 185 Sekunden halten? Auch mein Sohnemann merkte, dass der kurze Anruf keine Verabredung zu einem Kaffeekränzchen mit Freunden war. Er fragte komischerweise auch direkt nach dem Gespräch, was denn los sei. Das machte er sonst nie. Hatte ihm in diesem Moment nur mal gesagt, dass ich zum Arzt müsse – nichts weiter. Ob er mir das abgekauft hatte? – Keine Ahnung. Einen skeptischen Eindruck machte er danach schon. Ich konnte es ihm auch nicht verübeln. Immerhin war ich selbst skeptisch und hatte ein ungutes Gefühl in der Magengrube.  Gleich am nächsten Tag stand ich mit zitternden Knien vor Ort – aber immer noch in der Hoffnung es verliefe genauso wie 2 Jahre zuvor.

Wie entsteht ein Zervixkarzinom?

Jährlich erkranken in etwa 6 von 10.000 Frauen an Gebärmutterhalskrebs, ausgelöst durch die sogenannten humanen Pappilomviren (HPV). Im Laufe des Lebens infizieren sich ca. 80% der Menschen mit diesem Virus – Frauen sowie Männer. Das HPV gehört zu den DNA-Viren und wird durch Körperkontakt übertragen. 40 der ca. 150 HP-Viren werden durch sexuellen Kontakt übertragen. Aber auch durch Händeschütteln, Küssen, gemeinsam genützte Alltagsgegenstände, ect. kann HPV an (Schleim)Hautverletzungen übertragen werden. Menschen mit gutem Immunsystem werden den Virus nach 1-2 Jahren selbst wieder los – jedoch nicht alle. Wenn dies der Fall ist, können sich Zellveränderungen (Dysplasien) unterschiedlichen Schweregrades entwickeln und im schlechtesten Fall zu bösartigen Tumoren heranwachsen.

Im Wartezimmer musste ich nicht lange warten. Die Frauenärztin bat mich herein und führte ein ausführliches Gespräch mit mir. Als sich ihre Worte dem Ende neigten, verspürte ich mehr und mehr den ansteigenden Schwall an innerlicher Panik, die ich mit Mühe versuchte zu unterdrücken. Schließlich hatte ich absolut keine Ahnung was ich davon halten sollte und was in Zukunft alles auf mich zukommen würde. Mit der Gewissheit der Ungewissheit und bis zum Boden reichenden Schultern verließ ich die Ordination von Dr. K. Ihre letzten Worte: Immer positiv denken – ziemlich leicht gesagt als „Nicht-Betroffener“ mein Fräulein. Nebenbei bemerkt, war ich immer schon mehr Realist als Optimist. Die zwanzig-minütige Heimfahrt war ein harter Knochen Ein Gedanke überrollte den anderen. Je mehr ich darüber nachdachte – wie man es auch dreht und wendet – desto mehr erkannte ich, dass es momentan definitiv nichts Schönzureden gab.

Da saß ich nun – im Arm meines Liebsten, während meine 1-1/2 jährige Tochter mir mit ruhiger, emphatischer Stimme zuflüsterte. „Mama Aua!“ und wischte mir vorsichtig die Tränen von den Wangen. Immer und immer wieder.

Das war wohl einer der emotionalsten Momente meines Lebens – abgesehen von den Geburten meiner Kinder

Diagnose: PAP IV – hochgradig verdächtig auf Gebärmutterhalskrebs

Ich konnte anfangs kaum über das Thema sprechen, ohne nicht gleich wieder in Tränen auszubrechen. Immer wieder stellten sich die selben Fragen in meinem Kopf.

Was wird passieren, wenn es wirklich schlecht um mich steht? Was ist mit den Kindern? Wann habe ich endlich Gewissheit ob ich wirklich Krebs habe? Wie verläuft so eine Diagnose? Wie soll ich nun auf dieses Krankheitsbild klarkommen? Kommen meine Schmerzen davon? Sind unsere Zukunftspläne jetzt endgültig abgeschrieben? Kann ich dann überhaupt noch Kinder bekommen? Kann sich das im Körper ausbreiten?

Die Gedanken einfach abstellen? Pustekuchen. Dieses Frage-Antwort-Spiel in meiner Schädelbasis ließ einfach nicht locker und die Antworten die ich mir selbst gegeben hatte waren selten aufbauend. Ganz ehrlich – Ich hatte anfangs echt Schwierigkeiten darauf klar zu kommen. Und Angst. Furchtbare Angst!

Auch wenn die Ärzte nur von einer „Krebsvorstufe“ sprachen, musste ich das Ernst nehmen. Meinen Körper, mir selbst und meiner Familie willen. Fakt ist: Ich bin hochgradig gefährdet und der Virus steckt in mir. Mein Immunsystem ist gerade einfach nicht stark genug, um selbst damit klar zu kommen. Vor nicht allzu langer Zeit hatte ich erst eine Lungenentzündung ausgeheilt und dann kam diese Diagnose. Und die war wie ein Schlag mitten in die Fresse! #sorrynotsorry

Will mir das Leben damit irgendetwas sagen? O.o

Die Angst ist real. #thestruggleisreal Ich würde mich mit 28 schon noch als „jung“ bezeichnen, habe 2 wunderbare Kinder – die kleinste gerade mal 2 Jahre – und habe noch so viel Pläne, die ich uneingeschränkt in die Realität umsetzen möchte. Da macht man sich nunmal vermehrt Sorgen um die Zukunft und hat Angst, etwas zu erfahren was man nicht hören will.

Eine neue Ära hat begonnen – es muss kein Tabuthema mehr sein – vernetzt euch!

Diese Diagnose hatte ich genau zu unserem 4. Jahrestag bekommen. Ja wie war das? Timing ist alles? Alles klar.

Ihr könnt euch wohl vorstellen, dass ich mir diesen Tag etwas schöner vorgestellt hatte. Das war Oktober letzten Jahres. Zeit ist seitdem verstrichen und ich habe mich mit der Situation auseinandergesetzt und gelernt damit umzugehen. Trotzdem ist jeder Tag anders. Mal denk ich nur kurz vor’m Einschlafen daran und manchmal lässt mich der Gedanke den ganzen Tag kaum los. Darüber zu schreiben hilft, Gedanken loszuwerden. Deshalb habe ich mich auch dazu entschlossen, meine Gedanken und Erlebnisse niederzuschreiben und mit euch zu teilen. Im Netz findet man nicht wenig Berichte und Blogpostings über dieses Thema. Von Menschen mit genau den gleichen Erfahrungen. Es macht unglaublichen Mut von positiven Endresultaten zu lesen und gibt einem das Gefühl nicht allein zu sein. Mir selbst hat es jedenfalls verdammt gut getan. Daraus habe ich Hoffnung geschöpft.

Gynäkologische Erkrankungen sollten kein Tabuthema mehr sein.

Gynäkologische Erkrankungen sind mittlerweile stark verbreitet, aber kaum einer spricht darüber. Vielleicht aus Schamgefühl, aus Angst oder anderen persönlichen Gründen. Auch das ist völlig in Ordnung. Jeder muss für sich die bestmögliche Methode finden mit einer Erkrankung umzugehen. Ich denke aber, wir sind mittlerweile in einem Zeitalter angelangt, wo solche Themen in der Gesellschaft nicht mehr totgeschwiegen werden müssen. Damit will ich nicht sagen, dass ihr euer Krankeitsbild der letzten 10 Jahre rausposaunen solltet, sondern sollte lediglich ein Rat sein: Sucht euch Menschen die euch Kraft geben. Das kann jemand in der Familie sein, die beste Freundin oder einfach nur wildfremde Menschen die wissen wo der Teufel seine Kinder kriegt. Die Möglichkeiten sich zu vernetzen sind riesengroß, auch anonym. Keiner sollte da alleine durchmüssen. Mir selbst hat es jedenfalls verdammt gut getan. Daraus habe ich Hoffnung geschöpft. An der Stelle DANKE an die Menschen, die ihre Geschichte geteilt haben. Gemeinsam sind wir stark.

Hilfs- und Beratungsstellen:

Österreichische Krebshilfe

Deutsche Krebshilfe

the show must go on…

Welche Maßnahmen müssen gesetzt werden? Meine Frauenärztin bereitete mich im Sommer 2018 bereits darauf vor, dass höchstwarscheinlich operiert werden muss. Für den weiteren Verlauf überwies sie mich ins Krankenhaus.

Direkt nach dem Gespräch mit der Frauenärztin steuerte ich mit Überweisung in der Hand das Krankenhaus an. Dort wurde ich nur auf einen Anruf verwiesen. Ich war wirklich froh, dass sich die nette Dame noch am gleichen Tag bezüglich dem Termin gemeldet hatte. „Kommst gleich am Montag.“, sagte sie. Jawoll. Nur noch das Wochenende durchhalten.

Der besagte Tag. Biopsie /  Kolposkopie

Montag. Ich will nicht aus dem Bett. Oder will ich doch? Ein kribbeliges Gefühl war es schon. Will ich wirklich wissen, was die zu sagen haben? Ich hatte dermaßen Schiss vor dieser Untersuchung und war total verunsichert was die mit mir anstellen würden. Zur Unterstützung hatte ich meinen Freund und Vater der Kinder mit dabei. „Der verkraftet das schon. Hat immerhin schon wilderes gesehen“, dachte ich mir. Ich wollte da eben absolut nicht alleine durch. Mit ihm an meiner Seite fühlte ich mich sicher(er). Im Krankenhaus angekommen, musste ich mich im Patientencenter anmelden und durfte dann auch schon Platz nehmen. Pfff… Immer diese Warterei – macht’s auch nicht besser. Nervositätstendenz steigend. Als ich da so saß, schwenkte ich meinen Blick durch den Wartebereich. Alles junge Frauen die da saßen. Hatten die denn alle hier die selbe Diagnose?

Da wurde mir eins wieder klar – Krebs betrifft uns alle!

Wie läuft eine Biopsie ab?

Zuerst wird ein kurzes Vorgespräch geführt, wobei die eigene und familiäre Krankengeschichte besprochen wird. Danach wird auf dem majestätischen Gynäkologen-Stuhl Platz genommen und die Ärzte machen ihre Arbeit.

Zu allererst wird eine Scheidenspiegelung gemacht. Hierbei kontrolliert der/die Arzt/Ärztin mittels einer Lupe den Gebärmutterhals, wobei man selbst alles ganz genau auf einem riesigen Flatscreen mitverfolgen kann. (in meinem Krankenhaus zumindest) Dann wird der Gebärmutterhals mit einer Essigsäure betupft um die Zellveränderungen sichtbar zu machen. Krankhaftes Gewebe verfärbt sich von rot auf weiß. Vom krankhaften Gewebe wird jeweils ein Stück Probe entnommen. Bei mir waren es 5-6 Stück Gewebeproben beim ersten Mal im Oktober – 4 bei der zweiten Biopsie im Mai. Durch die Gewebeentnahme fängt es natürlich an zu bluten, weshalb die Schnitte zum Schluss mit Jod „zugebrannt“ werden. Sieht echt krass aus, sag ich euch. Wie verkohlt. Und das empfand ich persönlich am schmerzhaftesten. Damit ist es aber auch schon überstanden. Es ist kein schönes Gefühl, wenn da unten „rumgedoktort“ wird, aber es gibt weitaus Schlimmeres. Eine Geburt zum Beispiel. Oder eine Weisheitszahn-OP. Zum Schluss zeigte mir meine Ärztin noch die Aufnahmen und erklärte mir was ich wissen wollte und wie wir weiter vorgehen. Durchschnittlich musste ich 5-8 Wochen auf die Befunde warten. #waitingsucks

CIN 1: Die infizierten Zellen verändern sich und führen zu krankhaften Veränderungen des Gebärmutterhalses (zervikale inrapitheliale Neoplasien: CIN).

CIN 2: Mittelschwere Veränderung des Gebärmutterhalses

CIN 3: Hochgradige Veränderung des Gebärmutterhalses (Krebsvorstufe)

Hier erfährst du mehr zum CIN (Zervikale intraepitheliale Neoplasien)

Bis der Schnee kommt…

Je nach Schweregrad warten die Ärzte bis zu einem Jahr ab, ob sich die CIN-Werte noch verändern, bevor eine Operation endgültig im Raum steht. Dabei wird auch die Lokalisation der betroffenen Zellen und ein weiterer Kinderwunsch berücksichtigt. Ich habe mich im Mai dazu entschlossen, noch bis zur nächsten Biopsie im Oktober zu warten und das Jahr auszukosten. Laut Arzt gibt es bei meiner Diagnose eine 20-30%-ige Chance, dass die Zellen sich normalisieren. Immerhin.

Prävention/Vorsorge

Die HPV Impfung ist derzeit der wirksamste Schutz vor einer Infektion. Der 9-fach Impfstoff schützt vor HPV 16 und 18, die Hochrisiko-Typen 31, 33, 45, 52 und 58, sowie vor den Niedrigrisiko-Typen HPV 6 und 11. Diese Typen sind für 75 bis 90 Prozent aller Gebärmutterhalskrebs-Erkrankungen verantwortlich. Mädchen und Jungen haben die Möglichkeit, sich im neunten bis vierzehnten Lebensjahr kostenlos impfen zu lassen. Diese Prävention wird meistens in den Schulen durchgeführt. Bis zum 18. Lebensjahr kann diese Impfung kostengünstiger nachgeholt werden. Bei Bezirkshauptmannschafts-Stellen oder beim Hausarzt nachfragen.. Die Kosten für Erwachsene belaufen sich derzeit auf ca. 700 Euro. Bitte bedenkt, dass die Impfung kein Ersatz für Vorsorgeuntersuchungen ist. 

Einzig und allein der regelmäßige PAP-Test beim Gynäkologen hilft zur Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs und sollte mittlerweile bei jeder Frau Teil der jährlichen Vorsorgeuntersuchung sein. Der PAP-Test konnte in den letzten 30 Jahren dazu beitragen, die Häufigkeit von Zervixkarzinomen um über 50% zu senken.  Das ist doch mal was!

So, #tustyourgyn !

Ich wünsche dir alles erdenklich Gute für die Zukunft. Schau auf di.

Stay healthy.

Deine Perlenmami

 

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