Konisation – ich sage den Zellen den Kampf an…

Da lag ich nun. Im Operationssaal Nummer 6! Welch‘ Ironie. In weniger als 3 Minuten werde ich bereits von der Vollnarkose weggetreten sein. Aber am besten ich beginne von ganz vorne…

Donnerstagmorgen um 8 Uhr wurde ich ins Krankenhaus bestellt. Dort angekommen, meldete ich mich umgehend in der Frauenambulanz, wo die ersten Daten aufgenommen wurden. Ich bekam meine Unterlagen für die bevorstehende Operation und wurde damit zum Pflegestützpunkt der gynäkologischen Station geschickt. Es dauerte nicht lange, durfte ich auch schon mein Zimmer beziehen. Ein großes Zimmer mit vier Betten. Mit mir war das Zimmer dann auch komplett belegt. Alles sehr nette Frauen, die wegen den verschiedensten Gründe hier lagen. Eine von ihnen hatte ebenfalls erst kurz vor mir eingecheckt und kam, genau wie ich, heute auf den OP-Tisch. Die beiden anderen hatten es bereits hinter sich und wussten ganz genau, wie wir zwei uns fühlten. Es war unglaublich süß, wie sie versuchten uns die Angst ein wenig zu nehmen, uns Mut zusprachen und uns bis zur Operation abgelenkt haben. Ich fühlte mich wohl hier.

Die Schwester gab mir das berühmt berüchtigte OP-Hemd mit hinten offen und legte mir mein exklusives VIP-Bändchen an um mich auch nicht zu vertauschen, wenn ich später flach liege. Ich wechselte meine Kleidung, beschmückte mich mit den ultra sexy Thrombosestrümpfen und beantwortete der Schwester die letzten Fragen zu Allergien, Bewegungseinschränkungen und weiteren Dingen die vor einer Operation abgeklärt werden müssen. Währenddessen trudelte auch schon die Visite ein. In der Menge der Ärzte dann plötzlich ein bekanntes Gesicht.  Damit hatte ich nicht gerechnet. Ich freute mich ihn zu sehen. Ein bekanntes Gesicht bedeutet Vertrautheit. Und die Vertrautheit tat so verdammt gut in dieser ungewissen Situation. Die Details wurden besprochen, also fehlte nur noch der Zugang und ich war so gut wie startklar für die Konisation.

Tja. Die Sache mit dem Zugang war nicht ganz so leicht wie sich rausstellte. Es wurde mir für diese Aufgabe eine ganz ganz liebe Schwesternschülerin geschickt. Sie wollte mir den Zugang wie gewohnt in der Armkehle verpassen. Schätze mal, dass das hauptsächlich so gelernt wird. Ich bat sie jedoch,  mir den Zugang am Handrücken anzulegen. In der Armkehle finde ich den nach ein paar Stunden immer total unangenehm. Der erste Versuch ging kläglich daneben. Total ins Fleisch rein. Die Schwester, die ihr über die Finger schaute, erklärte ihr im Nachhinein, warum sie nicht da gelandet ist, wo sie eigentlich hin sollte. Man merkte ihr an, dass ihr das unangenehm war. Aber ich war da komplett tiefenentspannt. Ich bin zwar nicht schmerzunempfindlich, aber mit sowas kann ich gut umgehen. Da sind die Kampfattacken von den Kids oft ganz anderes Kaliber. Vorsichtig fragte sie, ob sie es nochmals versuchen durfte. Ich stimmte zu. Beim zweiten Mal hatte sie zwar die Vene erwischt, aber der Schlauch wollte sich trotzdem nicht richtig positionieren lassen. Ich brachte die Arme richtig ins Schwitzen. Aber hey, jeder muss es einmal lernen. Ich versuchte sie zu beruhigen und ihr klar zu machen, dass das gar nicht schlimm ist wenn’s nicht auf Anhieb klappt. Hätte sie auch ein drittes Mal probieren lassen, aber da versuchte es dann die Schwester selbst. Auch sie hatte kein leichtes Spiel mit meiner scheinbar dicken Haut. Dieses dicke Leder könnt ich im Alltag öfter mal gebrauchen. Der Zugang war nach 3 Versuchen geschafft, die Infusion mit Flüssigkeit bereits angehängt und nun hieß es warten – warten – warten.

Um 11:30 sollte meine Operation angesetzt sein. Diese Warterei war gefühlt das Schlimmste. 1000 Gedanken schwirren einem durch den  Kopf und die Nervosität ist Tendenz steigend. Jedesmal wenn die Türe aufging, schnappte ich nach Luft, in dem Gedanken, dass es jetzt losgehen würde. Mit Instagram, Musik und netten Gesprächen mit den Zimmergenossinnen versuchte ich mich so gut es geht abzulenken. Als die Mittagszeit anbrach und die anderen zwei bereits ihr Mittagessen bekamen, wurde es dann aber schon ziemlich lästig. Ich hatte unglaublichen Hunger und der wohlriechende Duft von der anderen Zimmerseite machte es nicht wirklich besser.

Um 12:45 kam schließlich die Schwester ins Zimmer und meinte, dass ich gleich abgeholt werde. Ich dachte nur:

„Okaaaaay, jetzt wird’s ernst!“

Mein Herz raste. Kurze Zeit später kam auch schon der Herr, der mich in den Operationssaal bringen wird. Nennen wir ihn mal Peter. Peter war, wie all das andere Personal ausgesprochen lieb und zuvorkommend. Er merkte sofort, dass ich ziemlich nervös war und verwickelte mich gleich in ein Gespräch um mir die Angst zu nehmen. Er erzählte mir, wie die Arbeit die er tagtäglich verrichtet funktionierte und welche Aufgabengebiete dazu gehörten. Ein echter Knochenjob sag ich euch. Nicht nur körperlich, sondern auch psychisch kann diese Arbeit einem echt zusetzen. Er erzählte mir auch, wie dringend in diesem Bereich Personal gesucht wird. Es gibt im Gesundheitsbereich genügend Jobs die besetzt werden wollen. Peter liebt seinen Job und macht ihn verdammt gut.

Danke Peter für die nette Fahrt mit dir. 

Ich wurde von Peter samt Bett in dem „Vorzimmer“ von OP 6 abgestellt. Dort begrüßte mich auch direkt meine Narkoseärztin und klärte mich über das Geschehen während der Operation auf. Die Operation würde circa 20 Minuten dauern, sagte sie. Dafür müsse ich auch nicht intubiert werden, sondern bekomme lediglich eine Maske die bis zum Rachen reicht. Sie hängte mir noch eine Flüssigkeit und die Aufkleber zur Überwachung der Herzströme an und verschwand dann wieder hinter die Trennwand in den OP, wo noch ein anderer Patient behandelt wurde. Da lag ich nun. Hörte nebenan Metall klirren und Ärzte plauderten und lachten ausgiebig. Schien eine ziemlich ausgelassene Stimmung da drinnen zu sein. In dem Wartebereich stand auch schon der OP-Tisch bereit, wo ich mich nachher breit machen darf. Es war ein schwarz gepolsteter Tisch, welcher ab der Hälfte gespalten werden konnte. Ich vermute stark, um die Beine breit zu bekommen.

Of everything we’ve been through,

Toast to the ones here today,

Toast to the ones that we lost on the way,

‚Cause the drinks bring back all the memories,

And the memories bring back, memories bring back you

Als ich da so lag, schweifte mein Blick durch’s Zimmer. Überall standen irgendwelche Operationsgeräte, die Regale waren voll mit Einweg-Hygieneartikel und Flüssigkeiten. Ich versuchte mich zu entspannen – lauschte dem Radio, der den ganzen Raum erfüllte und die Songliste war der Hit. Der erste Song war „Memories – Maroon 5“. Einer meiner aktuellen Lieblingslieder.  Gefolgt von „Gossip – Move in the right direction“.

One step closer and feeling fine,

getting better one day at a time,

I’m moving forward it’s all in my mind,

I’m heading talk with a new stay to mine,

So hold back tears,

Move in the right direction,

Face my fears,

Move in the right direction,

I’m doing  fine.

Und zuguter letzt trällerte ich noch „Wonderwall von Oasis“ vor mich hin bevor die Frau um die Ecke kam, die mich letzendlich operieren wird.

Because maybe, you’re gonna be the one that saves me

Also passender hätte die Liederliste echt nicht sein können! Und Musik schafft es immer mich zu beruhigen.

Nach einer kleinen Vorstellrunde kletterte ich auf dem Operationstisch rüber, mir wurde eine warme türkisfarbene Decke übergelegt und ich wurde von dem hübschen Krankenhauskleidchen befreit. Da ging’s auch schon los. Im Operationssaal angekommen wurde ich verkabelt und alle möglichen notwendigen Geräte zur Überwachung bereitgestellt. Es war kühl, aber das war gerade meine letzte Sorge. Ich weiß nicht wie viele es genau waren, aber gefühlt 30 Leute werkten an mir rum. Die eine richtete die Herzüberwachung ein und hängte mir das Sauerstoffmessgerät an. Die andere fixierte mich mit Gurten am Bett und die Dame hinter mir bereitete bereits die Narkose vor. Vor mir hörte ich wieder das Metall klirren, sprich die Werkzeuge die sie gleich da unten für mich verwenden werden. Dann ging auch alles ziemlich schnell.

Die Ärztin, welche meine OP durchführen wird meinte nur, dass ich jetzt einen Vollrausch auf ärztliche Kosten bekomme und dann kam auch schon die Narkoseärztin mit der Maske von hinten.

„Tief einatmen!“, wurde es mir befohlen. Ich atmete – ein bisschen zumindest. Schon beim zweiten Luftschnapper merkte ich, wie auf einmal mein ganzer Körper schwer wird und zu drücken beginnt. Mein Kopf fühlte sich ganz komisch an und ich versuchte dagegen anzukämpfen.

„Ich will diesen Vollrausch nicht! Das ist mir echt ne Nummer zu steil“

höre ich mich jetzt noch denken. Und wieder sagten sie, ich solle mich einfach entspannen und noch einmal tief einatmen.

Leute ich versuch grad am besten gar nicht zu atmen!

Gleichzeitig merke ich, dass ich verdammt müde werde. Ich glaubte auch zu hören, wie auf der Herzmaschine mein Herzschlag immer schneller wurde. Mich hat dieser Zustand innerlich so dermaßen gestresst sag ich euch. Dann brachte ich nur noch ein „Mah, des is so verdammt unguad!“ raus, versuchte nochmal tief einzuatmen und weg war ich auch schon. Mein Kreislauf, meine Atmung, mein Schmerzempfinden, mein Bewusstsein und andere Reflexe – alles lahm gelegt.

Ich weiß nicht wie lange es tatsächlich gedauert hat oder wie lange ich geschlafen habe. Jedenfalls lag ich bereits wieder in meinem Bett im Aufwachraum. Die ersten Minuten nach dem Erwachen sind jedoch nur fetzenhaft. Mir ist es nach dem Aufwachen gottseidank nicht schlecht gegangen, aber ich war doch noch verdammt benebelt und ziemlich verwirrt. Eine Schwester stand bei mir als ich aufwachte, aber ich habe keinen blassen Schimmer mehr, was sie mich gefragt hatte. Weigstens hab ich ihr irgendwas geantwortet. Daran erinnere ich mich zumindest. Was mir ebenfalls auffiel, war das kleine Mädchen, dass auch gerade aus der Narkose aufgewacht zu sein schien. Die kleine war kaum älter wie Lina und ich fühlte so mit ihr. Sie lag am Arm ihrer Mutter, die sie zu trösten versuchte. In diesem Moment war ich wieder froh, dass bloß ich das durchmachen musste und nicht meine Kinder.

Kurze Zeit später wurde ich von zwei jungen Männern abgeholt und wieder zurück in mein Zimmer kutschiert, wo bereits meine Zimmergenossinnen warteten. Auch bei der anderen Frau ist alles gut gelaufen und die verschlang gerade genüsslich ihr Essen und grinste bis über beide Ohren. Futter. Ein Lichtblick. Die erste Schwester die ich erblicken konnte, fragte ich sofort nach Essen. Überlebensinstinkt nennt man das. Zuerst musste ich mich aber mit Wasser und Kräutertee begnügen. Okay. Mir ist eh noch ziemlich schwummrig. Den ganzen Nachmittag spürte ich noch die Nachwirkung der Narkose. Mir ging es nicht schlecht. Trotzdem war ich empfindlicher auf Geräusche, Licht und Emotionen. Langsam würde es auch ganz gut beschreiben.

Über den Besuch meiner Familie habe ich mich trotzdem besonders gefreut. Der große legte sich direkt zu mir ins Bett und die kleine hatte vor allem Angst und Panik. Sie mag das Bett nicht, sie mag die Thrombosestrümpfe nicht, sie mag meine Füße nicht, sie mag meinen Zugang nicht. Sprich sie wollte mir anfangs nicht mal ein Küsschen geben und keine 10 Pferde hätten Sie dazu gebracht, sich freiwillig auf das Bett zu setzen! Furchteinflößende Umgebung für ein Kind. Da freue ich mich umso mehr wieder auf zuhause. Obwohl mir die Ruhe hier im Krankenhaus auch einmal verdammt gut tut.

Bis zum Abend hatte ich kaum Schmerzen. Doch gegen 21 Uhr merkte ich ein Ziehen in der Gebärmuttergegend. Ich bekam auf Wunsch eine Schmerzinfusion um ohne Schmerzen durch die Nacht zu kommen. Wir waren nun nur noch zu zweit im Zimmer und die Nacht war ruhig. Ich konnte für Krankenhausverhältnisse echt gut schlafen. Zumindest bis 6 Uhr. Dann wurde ich von höllischen Schmerzen in der Unterbauchregion aufgeweckt. Es fühlte sich wie leichte Wehen, oder auch starke Regelschmerzen an. Ich wusste kaum wo ich mich hindrehen sollte, da die Schmerzen in jeder Position krampfartig stark waren. Auch untenrum spürte ich nun ein brennendes Gefühl. Eine weitere Schmerzinfusion später wurde es besser. Solche Schmerzen können nach einer Konisation auftreten. Das ist normal wurde mir gesagt. Immerhin war es ein operativer Eingriff und es wurde ein Teil des Gebärmutterhalses entfernt. Auch das hinterlässt Spuren und Wunden. Bei der Entlassung wurde mir außerdem mittgeteilt, dass eine Zervixkürretage durchgeführt wurde. Dabei wurde der Gebärmutterhals ausgescharbt.

Genaueres zur Diagnose findest du hier:

#petrolribbon – Diagnose: Ein Tsunami der Gefühle. Der PAP kann dich davor schützen!

Darauf muss ich (zukünftig) achten:

  • körperliche Belastung für 1 Woche
  • keine Vollbäder / Schwimmbäder f. 3 Wochen
  • keine Sauna / Sonnenbäder f. 3 Wochen
  • kein Geschlechtsverkehr für 3 Wochen
  • keine Tampons solange die Blutung besteht
  • Kontrolltermin in 4 – 6 Wochen beim Frauenarzt
  • bei Kinderwunsch fachärztlichen Rat einholen

Ebenfalls bin ich nun bei jeder weiteren Schwangerschaft eine Risikopatientin und eine Früh- oder Fehlgeburt kann nicht ausgeschlossen werden. Es wird empfohlen eine Schwangerschaft in den nächsten 6 Monaten nicht anzustreben, keinesfalls aber in den 2 Monaten nach der Operation.

Ich hoffe, dass dieses Thema „Krebsvorstufe“ mit der Operation für mich nun endgültig abgeschlossen ist. Eine Konisation ist jedoch nie eine Garantie, dass alle bösartigen Zellen erwischt wurden und diese Krankheit nicht irgendwann wieder auftreten könnte. Aber es ist auf jeden Fall ein Anfang.

Ich werde auch nach wie vor engmaschig die PAP Kontrollen durchführen lassen. Durch die Früherkennung von Gewebsveränderungen kann rechtzeitig gehandelt werden. Auch euch empfehle ich, eine regelmäßige Kontrolle durchführen zu lassen. Seid euch wichtig. In diesem Sinne…

#trustyourgyn

In Liebe und bleibt’s g’sund!

Eure Perlenmami

Ein Kommentar Gib deinen ab

  1. payoli sagt:

    Immer wieder tragisch für mich zu lesen, wie Menschen von den Dotores verarscht werden.
    Ein bisserl früher und vielleicht auch anders und ‚healthier‘ und Du hättest Dir den ganzen Sch… erspart.
    Liebe Grüße und
    paradise your life! 😉

    PS: Dabei war doch das bei Euch in Linz, denk ich, wo eine Gyn- Sprechstundenhilfe alle positiven Befunde aus Mitleid mit den Frauen weggeschmissen hat und nicht eine davon ist tatsächlich erkrankt.

    Liken

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